Mein Name ist Marie-Luise Chott, ich bin 22 Jahre alt und startete im August 2016 meine Ausbildung bei der apra-norm in Mehren als Konstruktionsmechanikerin, was nicht gerade der typische Frauenberuf ist. Ich habe mich aber schnell an mein Berufsumfeld gewöhnt, obwohl ich mich auch freuen würde, wenn sich mehr Frauen für den Beruf entscheiden würden. Für mich startet bald bereits das 3. Lehrjahr, was heißt, dass es Zeit wird für eine neue Auszubildende im Musterbau ;-).

Zunächst wollte ich immer zum Zoll oder zur Polizei, aber letzten Endes waren die Berufe dann doch nichts für mich. Für Meeresbiologie hätte ich sehr weit weg von hier gemusst, was ich wiederum auch nicht wollte, auch wenn dieser Beruf immer noch ein Traum von mir wäre. Über meine jetzige Berufswahl kann ich mich allerding auch nicht beschweren, es war zwar nicht die erste Wahl, aber ich bin sehr zufrieden. Ich habe viele Sachen gelernt und bin auch froh darum, weil nicht jedes Mädchen unbedingt handwerklich begabt ist oder damit klar kommt. Damit kann ich mich von anderen abheben.

Es gibt noch weitere Vorteile. Mittlerweile sind einige meiner Arbeitskollegen auch zu guten Freunden geworden. Ich werde von meinen Kollegen auch tatkräftig unterstützt, falls ich mal zu schwach bin oder Hilfe brauche, was ich als einen kleinen Mädchen-Bonus bezeichnen kann :-P.

Ich habe mein Abitur auf einem technischem Gymnasium gemacht, auch hier gab es überwiegend nur Jungs – wir waren ca. 20 Mädchen und 60 Jungs. Deshalb war es für mich nicht ganz ungewohnt mich für einen typischen Männerberuf zu entscheiden. Mittlerweile ist das aber fast schon Alltag geworden.

Im ersten und zweiten Ausbildungslehrjahr, war ich überwiegend im Musterbau (Ausbildungswerkstatt). Hier haben wir z.B. einen kleinen LKW aus diversen Materialien gebaut, an welchem man die handwerklichen Grundkenntnisse lernt, wie z.B. Feilen, Biegen, Bohren und Sägen. Am Anfang fiel mir das Sägen schwer, aber als wir die Werkbank dann mal umgebaut und den Schraubstock tiefer geschraubt haben, war auch das kein Problem mehr.

Ein paar Monate bevor es zur Abschlussprüfung Teil 1 ging, bereiteten wir uns theoretisch und praktisch vor, indem wir frühere Prüfungen durchgegangen sind. Im April habe ich dann erfolgreich meine Abschlussprüfung Teil 1 hinter mich gebracht , welche mit 40 % zur Gesamtprüfungsnote dazugezählt wird. Seitdem durchlaufe ich die einzelnen Fertigungsbereichen und lerne dort unseren modernen Maschinenfuhrpark zu bedienen und zu programmieren.

Ich verstehe mich gut mit allen, auch wenn die Kerle ab und zu noch ein paar Späße machen, weil man eben eine Frau ist. Damit kann ich aber umgehen, nehme das nicht zu ernst und lache zusammen mit den anderen darüber. Schon beim Abi habe ich gemerkt, dass es nichts für mich ist, in einem Büro zu sitzen und Stunden lang vorm PC zu hocken und zu arbeiten, dafür gefallen mir handwerkliche Tätigkeiten zu gut. Ich wollte schon seit klein auf irgendetwas machen, wo ich mich handwerklich weiterentwickeln und neues dazulernen kann.

Am besten an meinem Beruf gefällt mir das Schweißen. Das habe ich an unserem diesjährigen Girlsday auch den teilnehmenden Mädchen nicht verschwiegen und ihnen das Fertigungsverfahren vorgestellt. Am Girlsday wollte ich den Mädchen zeigen, dass das, was wir hier machen nicht nur Männer machen können und ihnen die Angst nehmen. Wir haben zusammen geschweißt, da mich das Schweißen begeistert, ich das gerne mache und die Mädchen davon überzeugen wollte, dass es gar nicht so schlimm ist, sondern eine feine Arbeit, die eine ruhige Hand benötigt.

Ein paar von ihnen waren anfangs leicht skeptisch und hatten Angst es zu versuchen, aber letzten Endes waren sie vollkommen begeistert, haben anders drüber gedacht und Interesse gezeigt.
Sie haben auch viele Einblicke in andere Bereiche aus unserer Fertigung bekommen können, zum Beispiel bei den Elektrikern, wo sie nach Schaltplan Kabel verbinden mussten und so eine Glühbirne zum leuchten gebracht haben. Bei der Oberflächentechnik durften sie Pulverlackieren und bei der Konstruktion im Büro bekamen sie Einblicke, wie die Produkte entwickelt und zusammengesetzt werden. Sie hatten sehr viel Spaß und ich denke, ich konnte die Mädchen davon überzeugen, dass es auch Spaß machen kann, einen typischen Männerberuf auszuüben.
Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass sich mehr Mädchen für diesen Beruf interessieren oder sogar entscheiden würden.

Eure Marie-Luise